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SIEGBURGER KULTURBRIEF (SKB)

SKB 170, 8.3.2006, LITERATUR
STEPHEN SCHRÖDER ENTTARNT BENNO VON SIEBERT
„’Ausgedehnte Spionage’ – Benno von Sieberts geheime Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt (1909–1926)“, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 65 (2005), S. 425–463

Wer tiefer in die Diplomatiegeschichte des Wilhelminischen Deutschlands eintaucht, stößt früher oder später auf einen dicken, auf schlechtem Papier gedruckten Aktenband eines gewissen B. von Siebert, der manches Dokument enthält, das in der großen offiziellen Edition „Die große Politik“ nicht auftaucht. Das Buch versammelt vorwiegend Schriftstücke, die der russische Diplomat Benno Alexandrowitsch von Siebert in der russischen Botschaft in London einsah. Siebert fertigte Kopien an, die über die deutsche Botschaft und die Niederlande ihren Weg nach Berlin fanden. Obwohl dieser Akt der Spionage der Jahre von 1909 bis 1914 nach dem Ersten Weltkrieg bekannt wurde, blieb ein Skandal aus. Die Tatsache fand nur geringe Beachtung und geriet vielfach sogar in Vergessenheit. Dabei hatte Siebert, mittlerweile aus dem russischen auswärtigen Dienst auf eigenen Wunsch hin ausgeschieden, auch im Ersten Weltkrieg für Berlin gearbeitet: Unter anderem fertigte er auf Reisen Stimmungsbilder aus dem Baltikum an. In den Weimarer Jahren arbeitete er nicht nur an der Veröffentlichung der einst von ihm ausspionierten Aktenstücke, sondern half bis zu seinem Tod auch bei anderen Editionsprojekten. – Das verstreut liegende publizierte Wissen über Benno von Sieberts Aktivitäten, eines idealistisch motivierten, germanophilen, in einem englisch-russischen Zusammengehen eine Gefahr erkennenden Kurländers, hat jetzt der in Bonn wirkende Historiker Stephen Schröder zusammengetragen. Der Hildebrand-Schüler und Scholtyseck-Assistent konnte das oben nur knapp skizzierte Bild Sieberts jedoch erst nach ausgiebigen Archivstudien derart detailliert zeichnen. Dadurch wurde es auch möglich, Bemerkungen der Erinnerungsliteratur plausibel der Personalie Siebert zuzuordnen. – Die Zeiten des Halbwissens und peinlichen Achselzuckens, das selbst unter renommierten Historikern zu beobachten war, wenn die Rede auf Benno von Siebert kam, sind vorbei. Stephen Schröder hat geordnet, gesucht, gefunden, beleuchtet und bewertet. Eine historiographische Pretiose, die Hunger macht auf die für den Herbst bei Vandenhoeck & Ruprecht angekündigte Monographie Schröders zu den anglo-russischen Beziehungen am Vorabend des Ersten Weltkriegs.


SKB 166, 1.2.2006 FORUM
ANMERKUNGEN ZUR PERSÖNLICHEN VERANTWORTUNG IM „DRITTEN REICH“

Am 27. Januar2006 hat der Siegburger Historiker Ralf Forsbach anläßlich der Vorstellung seines neunen Buches einen kurzen Vortrag gehalten (vgl. NACHRICHTEN). Wir dokumentieren die Ansprache nach dem uns vorliegenden Redemanuskript. 
Magnifizenz,
sehr verehrter Herr Bürgermeister Joisten,
meine sehr geehrten Damen und Herrn,
für die anerkennenden Worte darf ich Ihnen, Magnifizenz, und Ihnen, lieber Herr Professor Schott, von Herzen danken. Es ist immer gut, wenn Wohlwollen und Vertrauen ein produktives Forschungsklima schaffen. Dankbar bin ich deshalb zugleich Herrn Professor Hildebrand, meinem Doktorvater, der wie Herr Schott ein Geleitwort zu dem heute zu präsentierenden Buch verfaßt hat. Und Ihnen allen, meine Damen und Herren, danke ich dafür, daß Sie heute den Weg ins Poppelsdorfer Schloss gefunden haben.
Denn diese Buchpräsentation ist ganz bewußt auf den 27. Januar gelegt worden, auf jenen Tag, an dem wir uns der Opfer des Nationalsozialismus in besonderer Weise erinnern. Bei der traditionellen Gedenkveranstaltung vor genau einem Jahr wurde im Alten Rathaus eine Rede aus meiner Feder verlesen, in der viele Schicksale verfolgter Universitätsangehöriger Erwähnung gefunden haben. Auch die Liste des Unrechts, das mit der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn in einem Zusammenhang steht, ist lang. Der reformorientierte Zahnmediziner, SPD-Stadt­verordnete und Jude Alfred Kantorowicz wurde ebenso vertrieben wie der jüdi­sche Psychiater Otto Löwenstein. Viele andere Juden wurden teilweise mit ihren Verwandten und Freunden vertrieben, verfolgt, in ihren Rechten eingeschränkt oder aber zur Emigration veranlasst. […] Die Fakultät als solche blieb in allen Fällen stumm oder unterstützte die Maßnahmen sogar. Geholfen wurde den Verfolgten allenfalls von einzelnen in der Medizinischen Fakultät Beschäftigten.
In mehreren Kliniken und Instituten hielten Praktiken Einzug, die in diesem Ausmaß nur unter den spezifischen Bedingungen eines Unrechtsstaats möglich waren. In der Psychiatrie fanden umstrittene Behandlungsmethoden verbreitete Anwendung. Vor allem psychisch Kranke, aber auch Homosexuelle und sogenannte „Fremdarbeiter“ wurden in der Chirurgischen und in der Frau­enklinik zwangssterilisiert, vorwiegend Zwangsarbeiterinnen zur Abtreibung genötigt. Im Anatomischen Institut zog man aus der großen Zahl Hingerichte­ter Nutzen. Juden und zwangsweise nach Deutschland verbrachte Menschen mussten auf die Humanität der Ärzte und des Pfle­gepersonals hoffen, woll­ten sie behandelt werden. Bisweilen wurden sie vom Personal oder von Mitpa­tienten übel beschimpft. Strafgefangene und Ver­schlepp­te wurden zur Zwangsar­beit herangezogen, wahrscheinlich in verhältnismäßig klei­­ner Zahl und vor allem zur Beseitigung von Trümmern nach Fliegerangriffen im Krieg.
Zudem waren Professoren der Universität Bonn außeruniversitär an Verbrechen beteiligt. Die Psychiater Kurt Pohlisch und Friedrich Panse entschieden als Gutachter über Le­ben und Tod von Patienten und Heiminsassen. An der Verschickung von Kindern in die Tötungsanstalten im Rahemn der sogenannten „Euthanasie“ waren gleichfalls Universitätsdozenten beteiligt. Vor seiner Anstellung in Bonn ließ der Gerichtsmediziner Gerhard Panning im Osteinsatz Munition zur Probe auf todgeweihte Juden schießen.
Viele Fakultätsmitglieder, schon 1933 über ein Drittel, 1945 dann über zwei Drittel, schlossen sich der NSDAP an; darunter war am 30. Januar 1933 noch kein Ordinarius. Ende 1934 zählte ein Viertel und ab Ende 1937 etwa die Hälfte der Ordinarien zu den Mitgliedern der NSDAP. Von den vierzehn Unterzeichnern einer am 4. März 1933 im „General-Anzeiger“ erschienenen Erklärung „Für Adolf Hitler“ gehörten sieben der Medizinischen Fakultät an.
Es gab Opposition. Doch diese bezog sich meist nicht auf das auch in Bonn verübte oder bekannte Unrecht. Einspruch erhob man in der Regel dann, wenn Belange des Betriebsablaufs gefährdet waren. In diesem engen Segment werden die Unterschiede deutlich. Einige schwiegen auch hier, andere fanden den Mut, umfassende Protestschreiben zu verfassen und Gegenkonzepte zu entwerfen – vor allem bei Finanzangelegenheiten und Personalfragen im Zusammenhang mit dem Assistentenmangel und der Kündigung konfessionell gebundener Schwestern.
Kategorien zu bilden, fällt schwer. Denn auch die mutigen Nichtangepassten luden Schuld auf sich: Der Chirurg Erich von Redwitz als Chef einer Klinik, in denen Men­schen zwangssterilisiert wurden, der Internist Paul Martini als wenig zurückhaltender Berater der Wehrmacht, der Pathologe Wilhelm Ceelen als Dekan während der Vertreibung Alfred Kantorowiczs. Dennoch zählen von Redwitz, Martini und Ceelen zu denjenigen, die das nationalsozialistische Wirken in seiner verbrecherischen Dimension er­kannten, verachteten und in seinen Folgen zu minimieren suchten.
Wird der Begriff des „Mitläufers“ angeboten, erinnert man sich zuerst an Ha­rald Siebke, den um Anstand bemühten Direktor der Frauenklinik und Dekan, dessen Handeln oft christlich motiviert war und der sich doch in einem opportunistisch-positivisti­schen Politik- und Rechtsverständnis an NS-Verbrechen beteiligte.  Ähnlich Ambiva­lentes gilt für den letzten Kriegsdekan Werner Schulemann. Obwohl NSDAP- und SA-Mitglied sowie mit als „kriegswichtig“ eingestuften For­schungsarbeiten betraut, hielt er Beziehungen zu Juden aufrecht und ver­hehlte auch seine Abneigung gegen Hitler nicht. Der Hitler zunächst verspottende Max Bürger wurde als Direktor der Medizinischen Poliklinik zum willigen Leiter einer Institution, die durch Reihenuntersuchungen den engsten Kontakt zu Mitgliedern nationalsozialistischer Gliederungen unterhielt. Auch ein hoch gebildeter und originell denkender Mensch wie Johannes Steudel, der Begründer des Medizinhistorischen Instituts, verschloss sich einer Mitgliedschaft in der NSDAP nicht.    
Selbst bei den feste nationalsozialistische Überzeugungen vertretenden Ordina­rien finden sich entlastende Gesichtspunkte – man denke beispielsweise an den Gerichtsmediziner Friedrich Pietrusky oder den Ophtalmologen und späteren Straßburger Rektor Karl Schmidt. Und doch waren es gerade die letztge­nannten und die aktiv an den NS-Morden beteiligten Psychiater Pohlisch und Panse, die zum Bild einer Medizin beitrugen, die gerade nicht ohne Anse­hen der Person den Kranken zu heilen suchte, sondern je nach Fall Heilung ver­weigerte oder sogar Tötungen ver­anlasste.
Neben den während des „Dritten Reiches“ an der Universität Bonn tätigen Ärzten, mit deren Motiven für ihr Verhalten sich zu befassen lohnt, stehen dieje­nigen, deren Handeln ganz offensichtlich von niedriger Gesinnung bestimmt war. Zu nennen sind Walter Poppelreuter, der Vertreiber Otto Löwensteins, und der SS-Scherge Heinrich Müller, der in der Zahnklinik nicht linientreue oder jüdische Patienten in übelster Weise beschimpfte und zuletzt als SS-Hauptsturmführer im SD den Terror in Bonn und die Deportation der Juden mitzuorganisieren half.
Beschränkt man den Blick auf das Verhalten der Assistenten, so wird man wie bei den Ordinarien Wert auf eine individuelle Einschätzung legen müssen. Es gibt kaum eine Konstellation, die im Verhältnis zwischen den Ordinarien und ihren Assistenten nicht nachweisbar wäre. Dabei sahen sich die Assistenten deutlich stärker als die Professoren zur Anpassung an das NS-Regime gezwungen, wenn sie nicht aus Überzeugung Nationalsozialisten waren oder aber auf eine Univer­sitätslaufbahn verzichten wollten. Gerade das Verhalten der Letzteren, das in den Archiven nur selten dokumentiert und im Einzelfall oft schwierig nachweisbar ist, soll nicht ungenannt bleiben. Unter anderem Paul Martini und der Direktor des Anatomischen Instituts Philipp Stöhr haben von wissenschaftlich begabten Ärzten gesprochen, die der Universität aufgrund ihrer Ablehnung des NS-Systems verloren gingen. Dies heißt zugleich, daß Ärzte, die sich ethisch inakzeptablem Tun verweigerten, nicht ohne Alternative waren. Es stellte sich in der Regel die Frage, ob man als Arzt weiter in der For­schung tätig bleiben und eine wissenschaftliche Karriere anstreben wollte oder ob man sich in eine Privatpraxis „zurückzog“.
Die Mehrzahl der Assistenten aber passte sich an. Viele fanden sogar die Klinik, die ihrer politischen Couleur am nächsten kam – wobei trotz der mitwirkenden Staats- und Parteiinstanzen dem Klinikleiter entschei­dende Bedeutung zukam. In Paul Martinis Medizinischer Klinik dominierte der Typus des katholischen NS-skeptischen Assistenten, in der Nerven- und in der Augenklinik war die NSDAP-Bindung hoch.
Blickt man auf die Studierenden, so ist die Bonner Situation untypisch. Bei freien Astag-Wahlen konnten die Nationalsozialisten nie wesentlich mehr als ein Viertel der Stimmen auf sich vereinigen. Andernorts erzielten sie oft doppelt so hohe Ergebnisse. Dennoch passte sich nach 1933 die Mehrheit der Studierenden den neuen Verhältnissen an. Juden wie Thea Kantorowicz, Hans Littoff und Eva Loeb wurden in Haft genommen, zur Flucht veranlasst oder sogar in den Tod getrieben. Aus den erhaltenen Unterlagen ist ersichtlich, dass Paul Martini half, der Pädiater Theodor Gött hingegen nicht. Manche Ratschläge wie der des Zahnmediziners Wilhelm Balters an Eva Loeb, ihren Verlobten zu verlassen und „in Afrika glücklich“ zu werden, mögen gut gemeint gewesen sein, zeugen aber von der Bereitschaft, Unrecht und Ungleichheit zu akzeptieren.
Studierende der Medizin waren in mehreren Oppositions- und Widerstands­gruppen aktiv. Nachdem der Rektor am 25. Juli 1933 die Auflösung von drei jüdischen und acht weiteren, beinahe das ganze politische Spektrum der Weima­rer Republik abdeckenden Studentenvereinigungen gemeldet hatte, waren es vor allem nicht direkt mit der Universität verbundene Jugendgruppen, in deren Reihen oppositionelles Gedankengut verbreitet war, vor allem im katholischen Bund Neudeutschland. Bis 1934 kam es aber auch zu öffentlichen Demonstratio­nen des Widerspruchs durch Farben tragende Verbindungen, die sich von der HJ abzusetzen suchten.  
Die bisweilen formulierte Erwartung, wenn nicht den Universitäten, so doch wenigstens der einzelnen Universität einen bezifferbaren Anteil an der Verant­wortung für den Nationalsozialismus zuzuweisen, kann auch die Studie über die Bonner Medizinische Fakultät im „Dritten Reich“ nicht erfüllen. An der, so Hellmut Seier, „Konstatierung fundamentaler Ambivalenzen“, führt bei einem Gebilde wie einer Fakultät mit ihren teilweise hochspezialisierten Wissenschaftlern kein Weg vorbei. Diese Gebilde völlig zu zerschlagen wäre einem totalitären Regime wie dem nationalsozialistischen möglich gewesen, doch haben es Opportunitäts­erwägungen davon abgehalten – zumal eine echte Gefahr für die NS-Diktatur von ihm nicht ausging. Im Gegenteil überwog, dies hat sich auch für das Beispiel der Bonner Medizinischen Fakultät gezeigt, die Zahl derjenigen, die den von Gerhard Ritter früh beschriebenen Handlungsspielraum nicht auszuloten versuchten und sich mit den Verhältnissen zu arrangieren verstanden. Nur in wenigen Ausnah­me­­fällen wurden im Sinne Hitlers „Initiativen ergriffen“. „Dem Führer entgegen zu arbeiten“, wie es Ian Kershaw im Anschluss an Werner Willekens formuliert hat, fiel den meisten Fakultätsmitgliedern und der Fakultät als ganzer nicht ein. Die Bonner Mediziner arbeiteten in ihrer übergroßen Mehrheit Hitler nicht „entgegen“, sondern waren nach einem Wort Klaus Hildebrands die „Durchführer“ dessen, was in Berlin angeordnet wurde. Den für ihre Mitglieder lebensgefährlichen Entschluss, sich dem „Dritten Reich“ zu verweigern, fasste die Medizinische Fakultät nicht; er wurde auch nicht ernsthaft diskutiert. Der Gedanke, dass nur eine möglichst reichsweite Totalverweigerung im Sinne eines Generalstreiks das Re­gime würde stürzen können, blieb bei einigen nicht ungedacht – doch an­gesichts der Aussichtslosigkeit einer derartigen Initiative wurde er selbst von ethisch Anspruchsvollen verworfen.
Die Versuche, die Medizin und ihre einzelnen Fächer zu einer „Legitimations­wissenschaft“ im Dienste des Nationalsozialismus auszubauen, waren vielfältig, aber im Ganzen erfolglos. Die Medizin, auch die an der Universität Bonn, ließ sich missbrauchen und diente der Stabilisierung des NS-Systems, nicht aber sei­ner Legitimierung. Zu klar war den meisten Wissenschaftlern die Fragwürdigkeit, oft auch der Unrechtscharakter der NS-Medizin. Dass dieselben Wissenschaftler aus dieser Erkenntnis heraus vielfach moralisch fragwürdige Konsequenzen zogen, stellt keinen Widerspruch dar, sondern verschärft noch die Frage nach der ethischen Verantwortung des Einzelnen. 
Meine Damen und Herren, ich will schließen mit einem Zitat Karl Dietrich Brachers aus dem Jahre 1966, das auch die meisten Angehörigen der Bonner Medizinische Fakultät in der NS-Zeit treffend charakterisiert: „Das eigentliche Verhängnis lag […] im Versagen der Mehrheit der Gebil­deten, die der Vorwurf des unterlassenen Guten treffen muß. […] Es war eine ‚partielle Sonnenfinsternis‘ in politischen Fragen, eine obrigkeitshörige Bereit­willigkeit, sich hinter der moralischen Mauer einer fraglosen Pflichterfüllung, einer geglaubten höheren Notwendigkeit zu verstecken“.


SKB 165, 25.1.2006 FORUM
BREITE UNTERSTÜTZUNG

Ab heute ist das neue Werk des Siegburger Historikers Ralf Forsbach „Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im ‚Dritten Reich’“ im Buchhandel erhältlich. Wir veröffentlichen aus diesem Anlaß das Vorwort des Autors.  
Eine Studie wie die vorliegende wäre vor nicht allzu langer Zeit noch auf man­chen Widerstand gestoßen. Nunmehr hat sie breite Unterstützung gefunden, wurde sogar von der Bonner Medizinischen Fakultät angeregt und gefördert. Ent­sprechend groß ist die Zahl derjenigen, denen eine Danksagung gebührt. Einige wenige Personen und Institutionen sollen an dieser Stelle genannt sein. Ihnen allen sei von Herzen gedankt.
Den Kontakt zum Medizinhistorischen Institut hat AOR Dr. Thomas Becker hergestellt. Er wusste, dass PD Dr. Georg Lilienthal zum Leiter der Gedenkstätte Ha­da­mar berufen worden war und das begonnene Projekt zur Geschichte der Bon­ner Medizinischen Fakultät im „Dritten Reich“ nicht würde fortsetzen kön­nen. Georg Lilienthal hat mir in großzügiger Weise über seine ersten Erfahrungen berichtet und Materialien zur Verfügung gestellt, Thomas Becker mir manchen hilf­reichen Ratschlag gegeben. Äußerst großzügig verhielt sich Dr. Hans-Paul Höpfner, der mir Unterlagen, auf denen seine Pionierarbeit über „Die Universität Bonn im Dritten Reich“ gründet, aushändigte. Auch die Archivarin der Rheini­schen Kliniken Bonn, Linda Orth, hat mir von den Ergebnissen ihrer privaten For­schungen berichtet.
Im Medizinhistorischen Institut fand ich jede erdenkliche Unterstützung und durfte mir immer nützlicher Ratschläge sicher sein. Zu nennen sind der heutige Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin in Gießen, Professor Dr. Volker Roelcke, der jetzige Direktor des Senckenbergischen Instituts für Ethik und Ge­schich­te der Medizin in Frankfurt, Professor Dr. Dr. Udo Benzenhöfer, vor allem aber der Direktor des Bonner Medizinhistorischen Instituts, Professor Dr. Dr. Heinz Schott. Er prägt im Institut auf dem Bonner Venusberg ein Klima, in dem die Wissenschaft trotz mancher Fährnisse der Gegenwart auf das Beste gedeihen kann. Heinz Schott wusste sich darüber hinaus immer wieder erfolgreich für die Finanzierung des mit dieser Publikation zum Abschluss gekommenen Projekts einzusetzen. Zunächst bewilligte BONFOR, das Programm zur gezielten For­schungs­förderung an der Bonner Medizinischen Fakultät, eine Anschub­finan­zierung; danach stellte die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Gel­der für das Projekt bereit. Die Drucklegung erleichterte die Bonner Medizi­ni­sche Fakultät durch eine großzügige Initiative. 
Hervorgehoben werden muss neben Heinz Schott sein Assistent PD Dr. Walter Bruchhausen, der mich insbesondere in medizinischen Fragen beriet und Pro­ble­me ausgiebig zu diskutieren bereit war. Zudem bot Diplom-Bibliothekarin Gabri­ele Nettekoven manche Hilfe. Sie berichtete nicht nur von ihren eigenen For­schungen zur Institutsgeschichte, sondern konnte auch auf entlegene Literatur hinweisen. Unentbehrlich für die Projektorganisation waren darüber hinaus die zu früh verstorbene Camilla Weidenbach und Annett Schmidt im Sekretariat des Instituts.
Unterstützung fand ich außerdem im Historischen Seminar der Universität Bonn, meinem Arbeitsplatz vor 2000. Professor Dr. Klaus Hildebrand hat das fakul­tätsübergreifende Projekt unterstützt und mir die Möglichkeit gegeben, die Infrastruktur seines Lehrstuhls weiterhin zu nutzen. Rat und Hilfe erfuhr ich im Historischen Seminar nicht nur von ihm, sondern auch von Dr. Christoph Studt und Professor Dr. Ulrich Lappenküper.  
Wie Walter Bruchhausen in Bonn unterzog sich im saarpfälzischen St. Ingbert Dr. Thilo Offergeld den Mühen des Korrekturlesens. Beider kritisch-wohlwol­lende Kommentierungen möchte ich auch in Zukunft nicht missen.  
Das vorliegende Buch ist das erste, dessen Entstehen meine liebe Frau Margit begleitet hat. Ihr will ich es widmen.


SKB 164, 15.1.2006 STANDPUNKTE
TÖNENDER DLF

Nicht jede Innovation im Medienbereich ist ein Desaster. Wir können zwar nicht recht erkennen, wieso das neue Gepiepse und Gebrumme vor den Nachrichten, den Verkehrshinweisen und anderen festen Programmbestandteilen den Deutschlandfunk „jugendlicher“ machen soll, doch insgesamt gefallen die Neuerungen, die die Verwandtschaft zum Deutschlandradio Kultur nun auch akustisch unterstreichen. Begrüßenswert sind die Einführung des Tagesrückblicks am Sonntag, die lyrischen Einstreuungen, die thematische Erweiterung des Donnerstagsrätsels und das Entfernen der langatmigen Pisa-Sendung vom Freitagmorgen. Arbeiten muß der DLF weiter an der Präzision. Zu häufig passieren dumme Fehler. Zuletzt fiel uns am Donnerstag auf, daß Ali Agca als Papst-Mörder bezeichnet wurde.  



SKB 163, 5.1.2006 TITELBILD
KRIPPENZEIT

In zwei Klöstern der Region beging man Weihnachten nachdenklicher als gewöhnlich. Die Redemptoristen feierten in Geistingen zum letzten Mal das Fest der Menschwerdung Gottes. Im Januar wird das Kloster aufgehoben. Und bei den Benediktinern in Siegburg trauerte man um Pater Gabriel Busch, der am letzten Mittwoch des Jahres zu Grabe getragen wurde. Auch bei der Christmette in der Wolsdorfer Pfarrkirche Sankt Dreifaltigkeit rückte die Endlichkeit irdischen Lebens zweimal in den Vordergrund. Über Jahre hatte hier ein junger Musiker durch sein Trompetenspiel die Besucher der Christmette erfreut. In der Adventszeit verunglückte dieser Trompeter mit seiner Freundin bei einem Autounfall nahe Donrath tödlich (der SKB berichtete). Zudem war man in Wolsdorf noch schockiert von den Ereignissen des Morgens. Heiligabend hatte sich in der Chemie-Faser-Allee ein enttäuschter Liebhaber in der Wohnung seiner Freundin mit Farbverdünner übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt. Bei dem anschließenden Wohnungsbrand wurden vier Menschen verletzt. In ganz Siegburg war Großalarm gegeben worden. Das Mülheimer Brandunglück mit fünf Toten lag da gerade wenige Stunden zurück. – Ganz ungetrübt war die Freude zudem bei der Christmette in der Herz-Jesu-Kapelle nicht. Zwar hatte ein edler Spender die schon zuvor prächtige Krippe um einen Stall und einen zweiten Hirten bereichert, doch wird die Krankenhauskirche immer wieder von Dieben heimgesucht. Vom Adventskranz wurden allein in diesem Jahr zweimal alle vier Kerzen gestohlen. Hinzu kamen Blumendiebstähle. Man fragt sich, wie es nun um die Sicherheit der videoüberwachten Krippe steht. – Dennoch ging auch heuer von der Erinnerung an die Ereignisse in Bethlehem vor über 2000 Jahren Trost und Freude aus. Selbstverständlich verzichtete man weder in der SMZ noch in den Kirchen auf den Aufbau der Krippe. 
Der SKB wünscht allen Leserinnen und Lesern ein friedvolles Jahr 2006! 
 





































 
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